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400V Steckdose – Die ideale Ladestation?

400V Steckdose – Die ideale Ladestation?

Leider gibt es nicht in jedem Haus die Möglichkeit schnell und ohne große Probleme eine Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge zu installieren. Oft will man im bestehenden Haus keinen Elektriker bestellen, der neue Leitungen für eine Wallbox verlegt. Meist sind dafür, von der Elektro-Verteilung bis zum Anschluss, neue Leitungen nötig, damit man seine private Ladesäule bekommt.

Das ist vielfach mit hohen Kosten, Dreck für die aufgestemmten Wände und Zeit verbunden. Auch will sich nicht jeder mit dem Papierkram beschäftigen um die Förderung für die Wallbox vom Staat zu erhalten, dann Monate zu warten um letztendlich zu hören „Die Mittel sind für dieses Jahr leider schon ausgeschöpft“.

Was also tun, um eine Lademöglichkeit für ein Elektrofahrzeug zu bekommen? 

Über die normale Steckdose bekommt man nur ca. 3KW pro Stunde aus der Leitung und dann dauert es bis zu einem Tag bis beispielsweise ein Tesla mit 100KW Batterie-Leistung komplett aufgeladen ist. Auch gibt es die Gefahr, dass die Leitung nicht für eine solche Dauerleistung ausgelegt ist. Eine Leitung mit 1,5mm² kann da aufgrund des Leitungswiderstands heiß laufen. Neben dem Leistungsverlust muss man im schlimmsten Fall sogar mit einem Kabelbrand rechnen. Das kann niemand gebrauchen.

In Neubauten werden daher Leitungen mit größerem Kabelquerschnitt verlegt, damit genau dies nicht passiert. Trotzdem reicht die Leistung dann immer noch nicht aus und es dauert bis zu einem Tag, dass der Akku auch wirklich voll geladen ist.

Natürlich kann man das entsprechend planen oder für den Einkauf auch mal schnell mit nur einem zum Teil geladenen Akku losfahren. Aber was passiert, wenn man mit fast leerem Akku nach Hause kommt und weiß, dass man am nächsten Tag schon wieder mit dem Elektroauto unterwegs sein will?

Da wären ein paar zusätzliche Watt nicht schlecht, damit es mit der Ladung schneller geht. In den meisten Fällen ist es auch dann noch so, dass die nächste Ladesäule nicht unbedingt in der Nähe ist. Auch kommt es nicht unbedingt dem Gedanken „Umweltfreundlichkeit“ in der e-Mobilität nach, wenn man extra zur Ladesäule fährt und dann wieder nach Hause, nur weil der Anschluss zu Hause nicht genug Dampf hat.

Was können Sie tun, damit zu Hause mehr Energie aus der Leitung kommt? 

Mit ganz viel Glück schlummert bei Ihnen in der Garage, im Hobbykeller, oder im Anbau (gerade auf dem Land gibt es das ja noch) ein roter 400Volt Anschluss (die roten CEE-Stecker).

Das Gute ist nämlich, das man über solche Stecker die 3-fache Strommenge, statt aus der normalen Steckdose bekommen kann. Es gibt verschiedene Anbieter, die einen Adapter anbieten, mit dem man diese Anschlüsse auch für das eigene Elektroauto nutzen kann. Mit diesen kann man statt der üblichen 3KW bis zu 11KW aus der Leitung holen. Damit die volle Leistung verfügbar ist, sollte man darauf achten, dass die Verkabelung zur Steckdose ebenfalls mit ausreichendem Kabelquerschnitt verlegt worden ist. Denn man sollte wissen, dass die 5 Pinne im roten Stecker, 3 Phasen-, 1 Schutz- und einen Null-Leiter enthalten.

Bei einer normalen Schuko-Steckdose sind es hingegen 1 Schutzleiter, 1 Phase und ebenfalls ein Null-Leiter.

Also egal ob 400V oder 230V es ist nur ein Null-Leiter vorhanden und die Strommenge wird nur auf der Phase verteilt. Über den Null-Leiter fließen dann aber statt der 3KW also 11KW zurück.

Umso wichtiger ist es also, dass die hausinterne Verkabelung bei 400V entsprechend sicher ist. Insbesondere dann, wenn man das Kabel noch einmal verlängern will, empfiehlt es sich die Leistung etwas zu drosseln, da jede zusätzliche Steckverbindung den Widerstand, den der Strom überwinden muss, noch einmal erhöht. Der Strom soll ja in die Batterie gehen und nicht dazu verwendet werden die Garage zu heizen. Wenn man sich unsicher ist, einfach einmal den Wagen laden, das Kabel anfassen und prüfen ob es nur leicht warm wird (das wäre noch ok) oder heiß. Und ja: Heiß ist ganz und gar nicht gut. Gleiches gilt für den Stecker der sollte auch nicht heiß werden. Man unterschätzt oft die Energie, die durch ein solches Kabel geht. Aber immerhin schafft Sie es ja auch ein Elektroauto in wenigen Sekunden von Null auf hundert zu bringen.

Wenn alles klappt, die Kabel dick genug sind und man bequem mit dem Auto auch in Richtung des 400V Anschlusses kommt, dann macht es durchaus Sinn sich eine Wallbox dafür anzuschaffen.

Für rund 400 EUR gibt es die schon! Wichtig ist es, dass die Box selbst noch einmal ein paar Sicherungen hat, damit auch wirklich nichts passieren kann.

Was haben Sie nun davon?

Die Ladung des 100KW Teslas dauert jetzt statt 24h oder mehr nur noch knapp 8-9 Stunden. Das geht bequem über Nacht. Man kann also Abends mit leerem Akku ankommen und am Morgen gleich wieder mit voller Batterie los düsen ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass der Akku nicht ausreichend aufgeladen ist. Es müssen sich also während der Fahrt nicht ständig Gedanken darüber gemacht werden, wo sich die nächste Ladestation befindet.

Natürlich hat nicht jeder Haushalt eine 400V Steckdose installiert, aber schauen kann man ja mal. Auch ist in der Regel in älteren Häusern Starkstrom anliegend. Die meisten Elektroherde sind mit 400 Volt angeschlossen, damit die Hausfrau auch mit Volldampf kochen kann.

Sicher, man kann auch diese Leitung verwenden, aber die meisten Hausfrauen, werden nicht so erbaut sein, wenn Sie diese Leitung mit einem CEE Stecker versehen und die Küche kalt bleibt.

Am besten ist es natürlich, sich in jedem Fall von einem Elektro-Fachmann beraten lassen. Gerade bei Starkstrom sollte man immer von einem Fachmann zu Rate ziehen. Wie schon erwähnt ist die Gefahr eines Stromschlages oder aber eines Brandes nicht zu unterschätzen. Und selbst dann wenn Sie eine vorhandene 400V-Leitung wieder in Betrieb nehmen wollen empfiehlt es sich einmal einen Fachmann drüber schauen zu lassen und ggf. eine Probemessung durchzuführen. Wenn man Pech hat sind die Stecker korrodiert und die Leistung vermindert sich oder mehr.

Wenn aber alles in Ordnung ist, kommt man so mit kleinem Geld und vor allen Dingen geringem Aufwand zu seiner privaten Ladestation.

Steffen Baermann

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